Montag, 14. November 2011

Ein paar Statistiken zu eBook-Shops und -Formaten

Diesmal nur ein kurzer Beitrag, aber einer mit konkreten Zahlen (zumindest in Prozent, Verleger sind alte Geheimniskrämer ;-)).

Eine zentrales Thema für viele, die nun eBooks anbieten wollen ist: Wo lohnt es sich? Worauf sollte man sich konzentrieren? Welcher Shop ist der wichtigste? Welches Format?
Nun sind meine Zahlen natürlich nicht allgemein gültig, aber sie sind für eine Entscheidungsfindung vielleicht ganz hilfreich.

Ich biete meine eBooks über vier Kanäle an:
  1. beam eBooks
  2. Amazon Kindle Store
  3. Online-Shops für ePub (Libri, Thalia, Weltbild, etc.)
  4. Apple iBooks
Die Kanäle 1,2 und 4 beliefere ich selbst, für Kanal 3 nutze ich einen Distributor/Aggregator. Wie verteilen sich nun die Verkäufe von Januar bis einschließlich Oktober 2011?

68 %: Amazon Kindle Store
16 %: beam eBooks
16 % Online-Shops für ePub

Wer den Apple iBooks Store vermisst, dem muss ich sagen, dass dort meine Verkäufe im Promillebereich stattfinden ...

Amazon ist in Deutschland Ende April gestartet und macht seitdem nahezu aus dem Stand heraus zwei Drittel meiner Verkäufe aus!
beam eBooks als größter unabhängiger eBook-Shop (zudem ohne DRM) generiert genauso viele Verkäufe wie sämtliche großen eBook-Shops wie Libri und Thalia zusammen! Was mich für Christoph Kaufmann sehr freut; er hat sich seine Position über beharrliche Arbeit im Lauf der Jahre erkämpft.

Wie sieht es nun mit den Formaten aus?
Durch die Verteilung bei den Shops ergibt sich auch für das bevorzugte Format ein eindeutiges Bild (das manchen gar nicht gefallen wird).
Vorab, bei beam eBooks biete ich meine Titel in allen drei gängigen Formaten an: ePub, Mobi und PDF.

ePub: 74%
Mobi: 17%
PDF: 9%

Das sieht ja nun erst einmal danach aus, als ob ePub das beliebteste Format ist. Allerdings darf man eben nicht vergessen, dass beam gerade einmal für 16% meiner Verkäufe steht. Umgerechnet auf alle Shops (mit Hochrechnungen beim PDF-Anteil) sieht das Bild nämlich folgendermaßen aus:

Mobi/AZW: 70%
ePub: 27%
PDF: 3%

Demzufolge machen eBooks im ePub-Format über ein Viertel meiner Verkäufe aus, aber den Löwenanteil meines Umsatzes mache ich mit Mobi/AZW über Amazon und beam! PDF-Kunden machen einen verschwindend geringen Anteil aus, obwohl die Erstellung des Formats von allen dreien das aufwändigste ist. Ich muss mir ernsthaft überlegen, ob ich es langfristig noch anbiete.

Betrachtet man sich nun den ganzen Umstand und Aufwand, den man mit sämtlichen DRM-ePub-Shops hat (Aggregatoren, Gebühren, DRM), dann sind sie für Neueinsteiger (Kleinverlage und selbst publizierende Autoren) nicht die erste Wahl. Meinen Erfahrungen und Zahlen nach.

Mein ganz klarer Rat für Einsteiger:
Konzentriert euch auf Amazon und beam!
Ihr deckt damit alle revelanten Formate ab, habt einen sehr kleinen organisatorischen Aufwand und erhaltet nebenbei gesagt unter dem Strich auch mehr Prozente als bei den DRM-Shops (außer vielleicht bei Apple iBooks).
Die DRM-ePub-Shops könnt ihr mitnehmen, sobald ihr Kapazitäten und Geld übrig habt. Sprich: lasst euch Zeit.

Für große Verlage dürften die Zahlen deutlich anders aussehen. Durch ihre Shopstruktur bevorzugen Libri, Thalia & Co. eindeutig die Titel, die bereits in gedruckter Fassung Bestseller waren. Kleinere Anbieter haben hier von vorneherein schlechtere Karten. Amazon und beam sind diesbezüglich deutlich "demokratischer".

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese Übersicht. Ich denke, es ist wichtig, dass "kleinere" und (verlags-) unabhängige Autoren ihre Zahlen kritisch analysieren (und mit anderen teilen, wie dankenswerterweise hier), denn -wie auch oben schon angeklungen- die etablierten Verlage und deren Grossisten-Vertriebstrukturen haben einen anderen Fokus, andere Verwertungsbedingungen und zudem müssen sie darauf achten, solange sie noch bedrucktes Papier verkaufen, sich diesen Bereich nicht selbst kaputtzumachen. Wenn ich das oben Gesagte recht verstehe, dann soll man auch auf eigenen Webseiten gar keinen eigenen (eBook-) Shop mehr aufziehen, sondern höchstens die Links zu den genannten Anbietern setzen und auf deren Überweisungen warten? Andererseits: es gab ja in der Vergangenheit, auch bei vermeintlich renommierten Verlagshäusern, immer mal wieder Fälle, wo mehr Bücher abgesetzt wurden als Tantiemen ausgeschüttet wuden. Wie wollen wir Kleinunernehmer eigentlich sicherstellen, dass z.B. Amazon nicht doppelt soviele Downloads verkauft, als es zugibt (ohne das bereits unterstellen zu wollen)?

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  2. Finde ich erschreckend! Dass sich so viele Kunden freiwillig an einen Publisher binden.
    Spätestens, wenn Amazo ein neues Format einführt, wo z.B. nur kostenpflichtig eine Umwandlung vom alten ins neue möglich ist wundern sich die meisten, aber dann ist es zu spät ...

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  3. Ich hatte von 2003 bis 2009 einen eigenen Online-Shop mit Direktversand. Die Zahlen waren ab 2008 immer weiter rückläufig und sind 2010 fast völlig zum Erliegen gekommen. Für mich hat sich ein eigener Shop also nicht mehr gerechnet.

    Natürlich bleibt bei der Verlagerung auf externe Shops ein "Restrisiko", doch wie wahrscheinlich ist das?
    Sollte es jemals herauskommen, dass ein Online-Shop seine Zahlen manipuliert, wäre sein Ruf ruiniert und der Betreiber müsste mit Schadensersatzforderungen und Buchprüfungen rechnen.

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  4. @ Anonym: Nuja, bei allen Shops mit Adobe-DRM bindet man sich den Kopierschutz eines Unternehmens, das zu eBooks überhaupt keine Beziehung hat. Da wäre mir deutlich unwohler.

    Zudem sind meine eBooks bei Amazon ja gänzlich ohne Kopierschutz und darüber hinaus bei beam ohne DRM erhältlich. :)

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  5. Präzise Aussagen. Gefühlt hätte ich heute auch das Gewicht auf Amazon einerseits und epub andererseits gesetzt. Dass es sich dann seitens epub nochmal konzentriert ist bemerkenswert. Amazon dürfte die Nase vor allem deshalb vorn haben, weil "man" dort sowieso "schon immer" einkauft. Das kommt den ebooks im Sinne eines Mitnahmegeschäfts zugute:

    Du Erna, bei's Amazon jibbs nu och iebucks. Hab ick direktemang mal probiert - mir so'n Jerät schicken lassen un dit schweinische Ding vonne Scharlotte Rosch jekooft. Schwups, war't druff un ick konnt det lesen. Irre, wa?

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  6. 08/15 E-Book Leser15. November 2011 um 05:51

    @Thomas Knip
    Amazon-E-Books sind ohne DRM?
    Aufgrund des ganzen DRMs kaufe ich derzeit gar keine E-Books, sondern lese Klassiker z.B. vom Projekt Gutenberg. Wenn die Verlage partout nichts verdienen wollen müssen sie wohl den gleichen Weg gehen wie die Musikindustrie ...

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  7. *Meine* eBooks sind bei Amazon ohne DRM. Amazon stellt es den Verlagen für jeden Titel einzeln frei, ohne sie ihn mit DRM versehen lassen oder nicht.
    Der Ball liegt also hier ganz klar bei den Verlagen.

    rasc, ja Amazon macht es einem schon verführerisch einfach ... mal sehen, ob Kobo dagegen halten kann.

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