Donnerstag, 10. November 2011

Stell dir vor, es gibt Lesegeräte und keiner will sie verkaufen

Weltbild hat seit der Frankfurter Buchmesse zwei günstige eBook-Lesegeräte im Sortiment: einen LCD-Reader mit 6-Zoll-Display für knappe 60 Euro und ein Android Tablet mit 8-Zoll-Display für knapp 160 Euro.

Beides sind äußerst attraktive Preis, mit der man auch Kunden interessieren kann, die sich bisher vielleicht nicht an den Markt herangetraut haben. Beide bieten auch eine ordentliche Technik - soweit ich das anhand der Spezifikationen beurteilen kann.
Denn vor Ort testen oder in Augenschein soll man diese Geräte offensichtlich nicht.



In den Wilmersdorfer Arcaden in Charlottenburg gibt es eben eine Weltbild-Filiale, und sie hat seit der Buchmesse einen großen Ständer direkt am Eingang, von oben bis unten bestückt mit Verpackungen beider Geräte. Daneben liegen noch eine Menge Flyer. Aber Vorführgeräte? Keine Spur.
Also dachte ich mir, vielleicht sind sie an der Kasse ausgestellt. Das macht bei der heute üblichen, ehm, ökonomischen Personalpolitik auch durchaus Sinn, da die/die häufig einzige Verkäufer/in an der Kasse zu finden ist.
Aber, nein, auch dort war nichts zu sehen. Ich habe nicht gezielt nachgefragt. Mein Bedarf an Lesegeräten ist derzeit gestillt.

Nur bekomme ich von mehreren Leuten nun zu hören, dass dies scheint's nicht nur in meiner Filiale so ist. Manche berichten, dass ihnen auch auf Nachfragen kein Gerät vorgeführt oder wenigstens ausgepackt wurde (es sei schließlich selbsterklärend, ah so).

Ich muss sagen, ich finde diese Taktik bestechend offensiv, beeindruckend und durchdacht.So ganz erschließt sich mir die Logik des Nicht-Verkaufenwollens noch nicht, aber ich denke, ich habe ich einfach zu wenig Ahnung von modernem Marketing und Kundengewinnung.

Es ist zumindest ein herzerfrischend anderes Konzept als das plumpe Vorgehen von Amazon, das ja nicht aufhören will, seinen Kindle zu verkaufen. Dieser Online-Shops denkt eben echt nur an das eine: Geld verdienen. Da lobe ich mir ein Ladengeschäft, das nicht nach Profit strebt, sondern seine Ware als dekoratives Schmückwerk zusammenhält!

Kommentare:

  1. Ich habe erst heute von jemandem gehört, der versucht hat, Buchhändlern Geld (für einen Reader) zu geben. In einem Fall waren alle Geräte ausverkauft. In einem weiteren Fall wusste niemand, wo der Schlüssel für die Vitrine mit den Geräten ist. Im dritten Fall war das Vorführgerät kaputt. Die Person, die direkt daneben saß, hat dann seinen kindle hochgehalten und erklärt, mit wieviel (wie wenigen) Klicks er ihn bestellt hat, und dass das Gerät am Folgetag bei ihm war.

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  2. Diese Strategie ist offensichtlich aus einer Scham hervorgegangen. Denn wenn man sich eines der Geräte vorführen lässt, erkennt man schnell, dass sie alles andere darstellen als Geräte auf denen man Bücher lesen sollte.

    Wer sich vorher bei der Konkurrenz einen Sony Reader hat vorführen lassen, wird schnell kehrtmachen, angesichts des LCD Displays.

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  3. In "meiner" Weltbild-Filiale konnte ich beide Geräte im Laden so lange testen wie ich wollte. Ich habe mir dann den E-Book Reader 3.0 gekauft. Für 60 Euro ein guter Reader. Das Tablet ist selbst für 160 Euro kein Schnäppchen: zu langsam, nicht wirklich updatefähig, zu schwer ...

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  4. Schön, dass es also auch anders geht. Unschön, dass es sich wohl nicht wirklich lohnt.

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  5. Es gibt kein klares Vertriebskonzept vonseiten der Buchindustrie! Diese denkt noch in alten Strukturen: der DVD-Handel soll DVD-Abspieler verkaufen, wo kommen wir da hin? Da stellt der Kunde womöglich technische Fragen.
    Ich frage mich ernsthaft: wenn ich einen Abspieler für 50 Euro verkaufen kann, kann ich doch sicher auch per Leasing oder Miete oder Bundle mit 10 eBooks oder Abo oder ... die Hürden senken, oder?
    Meine Meinung ist, dass zur Zeit entweder am Willen oder an der Fähigkeit zum unternehmerischen Einsatz fehlt. Man hat es sich in der Preisbindungsnische zu schön eingerichtet und jetzt das!

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