Sonntag, 26. Februar 2012

Was die eBook-Branche (schleunigst) von beam eBooks lernen sollte ...

Was wir (nicht nur) in Deutschland seit 2011 erleben ist, dass viele eBook-Shops immer mehr zu einer Schützengraben-Mentalität übergehen.
"Implementierte Shopanbindung" ist das Zauberwort. Amazon hat seinen Kindle, Kobo seinen Kobo, Thalia seinen OYO, Weltbild "den besten eBook Reader", Libri hat's mit dem Aluratek versucht.

Das macht das Lesen einfach, das macht das Einkaufen komfortabel. Ein echter Mehrgewinn für den Leser also, nicht wahr? Nein, ganz im Gegenteil!


Diese Shopanbindungen tun vor allem eines: sie zwingen die Kunden in ein starres System.
Ein System, das nicht im Sinne der Leser funktioniert, sondern im Sinne der Gerätehersteller und im Sinne der großen Verlage, die ihr Heil noch immer in DRM-Maßnahmen sehen.

Der eBook-Markt wird derzeit durch zwei Formate bestimmt: AZW von Amazon und ePub. Ohne Konvertierung mit Software wie calibre lassen sie sich nicht untereinander austauschen. Und selbst das klappt nur, wenn die eBooks ohne DRM-Kopierschutz sind.

Für alle zahlenden Kunden ist das eine Zumutung. Es stellt sich die Frage: Muss das so sein? Antwort: Nein, muss es nicht.

Amazon hat eine Ausrede. Sie haben ihr AZW-Format teuer eingekauft, indem sie 2005 Mobipocket übernommen haben, dessen Mobi-Dateiformat als Vorlage für AZW dient. Das entschuldigt sie nicht in ihrem unflexiblen Verhalten, aber es erklärt es.
ePub als Format dagegen ist kostenlos. Kein Shop muss etwas dafür zahlen, dass er eBooks im ePub-Format anbietet. Kein Gerätehersteller muss etwas dafür zahlen, dass seine Geräte eBooks im ePub-Format darstellen können.
Wofür aber alle an Adobe zahlen, ist die Implementierung des ADEPT-Kopierschutzes für ADE Adobe Digital Edition.

Nur ... was hält Gerätehersteller eigentlich davon ab, die Firmware ihrer Geräte nicht nur für ePub, sondern auch für Mobi einzurichten? *
Und ... was hält eBook-Shops eigentlich davon ab, neben ePub auch noch Mobi als Format im Angebot zu haben?
Antwort: Nichts. Außer der eigenen Unfähigkeit oder dem eigenen Unwillen. Und, ja, leider, der Unfähigkeit und der Unwilligkeit vieler Verlage, beide Formate anzubieten, und zwar am besten ohne Kopierschutz.

* Ja, ich weiß, Amazon verpflichtet die Gerätehersteller zur Exklusivität beim Format. Aber nur, wenn man kopiergeschützte Mobi-Dateien anbieten möchte ...

Auftritt beam eBooks.
beam als eBook-Shop besteht jetzt seit gut zehn Jahren. Einen großen Teil seiner Zeit wurde beam durch Mobipocket beliefert, also durch DRM-versehene Mobi-eBooks. Aber selbst damals schon hat Christoph Kaufmann es kleinen, unabhängigen Verlagen ermöglicht, ihre eBooks ohne Kopierschutz im PRC/Mobi-Format anzubieten.

Etwa 2008 hat sich Christoph Kaufmann entschieden, keine eBooks mehr mit DRM anzubieten. Damit verlor er Tausende von Titeln auf einen Schlag, das gesamte kopierschützte Mobipocket-Sortiment.
Man muss sich das vorstellen: Da hat man den größten unabhängigen deutschen eBook-Shop und verzichtet von einem Tage auf den anderen auf Tausende bekannter Titel und Autoren. Glücklicherweise hat beam diesen Aderlass überlebt. Und erstaunlicherweise sind inzwischen wieder etablierte Verlage in seinem Sortiment vertreten, die ihre eBooks bei ihm ohne Kopierschutz anbieten, während sie in anderen Shops mit DRM ausgeliefert werden ...

Als 2009 ePub aufkam, hat Christoph Kaufmann dann eines getan: Er hat seinen Shop auf die drei wichtigsten Formate eingestellt: ePub, Mobi/PRC und PDF.
Jeder Verlag kann eBooks in allen drei Formaten bei ihm anbieten, alle drei ohne Kopierschutz. Und die Leser können unter allen drei Formaten auswählen. Sie können das Format einkaufen, das sie für ihr Lesegerät brauchen. Sie könnten, theoretisch. Vorausgesetzt, die Verlage bieten alle drei Formate an.

Und hier stellt sich die Frage an die Verlage: Warum macht ihr das nicht? Warum bin ich mit meinem Sortiment einer der wenigen Ausnahmen, die das nutzen? Warum sind es - wieder einmal - die Kleinverleger, die auf ihre Leser eingehen?
Und, bitte, lasst mich nicht die Antwort geben müssen "weil ich die Bedürfnisse meiner Kunden respektiere". Das wäre zu peinlich. Aber nicht für mich.

Die offizielle Software zur Erstellung von Mobi-Dateien, die kommerziell genutzt werden dürfen, ist seit Jahren kostenlos. Der Mobipocket Creator wird schon lange nicht mehr weiterentwickelt, er hat dieselben rudimentären CSS-Fähigkeiten wie der Kindle. Aber er ist immer noch erhältlich. Und leicht zu bedienen.Also? Herunterladen. Einsetzen.
Und wie man PDFs herstellt (was sich bei aufwändig layouteten Vorlagen anbietet), zeigt euch der Druckvorlagenhersteller eures Vertrauens ...

Also,
  • liebe Verlage, bietet eure eBooks schlicht und ergreifend als ePub und Mobi ohne Kopierschutz an.
  • liebe eBook-Shops, bietet neben ePub auch Mobi als Format an. Und, ihr werdet es ahnen, ohne Kopierschutz.
  • liebe Hersteller von Lesegeräten, baut in die Firmware Lesesoftware sowohl für ePub wie für Mobi ein. Die Exoten unter euch tun das schon seit Jahren. Und verzichtet auf Kopierschutz. Eure Kunden (ja, die die Geräte kaufen) wollen ihn sowieso nicht.

Das geht. Man muss nur wollen. Man kann sogar Geld damit verdienen.

Wenn ich mich bei anderen Verlegern und selbst publizierenden Autoren so für beam eBooks einsetze, dann aus diesem einen Grund:
Christoph Kaufmann hat mit beam einen Shop aufgebaut, der sich an den Bedürfnissen seiner zahlenden Kunden orientiert. An den Lesern. Und das kommt meinem Anspruch als Verleger und Autor sehr entgegen.

Kommentare:

  1. Verkauf doch bei uns. Der Obreey-Shop verkauft gerne ohne DRM und hat auch mit mobis(ohne DRM) und pdfs(mit und ohne DRM) kein Problem. In punkto DRM richten wir uns dabei, wie die meisten Shops, nach den Vorlagen der Verleger.

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  2. Georges, gerne! Darüber hatte ich mit Anatoli bereits auf der Buchmesse gesprochen. Er meinte, für mich sei es weniger Arbeit, wenn ich über media control gehe, die euch beliefern. Nur melden die sich nicht ... honi soit qui mal y pense.
    Lass mich wissen, wie ich euch die Sachen direkt zukommen lassen kann.

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  3. Wie veröffentlicht man seine Bücher als Autor im Obreey-Shop? Ich hätte 2 gratis-eBooks und ein Kauf-eBook anzubieten (stehen alle schon bei beam-ebooks).

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  4. Sobald ich Weiteres dazu weiß, schreibe ich hier was. :-)

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