Sonntag, 10. Juni 2012

Wie werde ich eBook-Millionär?

Eine einfache Frage, auf die ich gerne eine einfache Antwort geben können würde. Dieser Artikel wird Ihnen allerdings keine Anleitung dazu geben "Wie werde ich reich in 30 Tagen und gebe Thomas die Hälfte davon ab?" (danke, gerne! ^^), sondern ich analysiere den Erfolg von Tina Folsom.


Tina Folsom? Wer ist das denn?
Das waren gestern zumindest meine Fragen, als ich auf den Artikel im Buchreport aufmerksam wurde. Er ist etwas irreführend mit "Die erste deutsche eBook-Millionärin" betitelt. Das ist zwar nicht falsch, aber es impliziert für den deutschen Leser, dass sie es in Deutschland mit deutschsprachigen eBooks geworden ist. Nun, dem ist nicht so. Und trotzdem ist ihr Erfolg einen Blick tiefer wert.

Tina Folsom stammt aus Bayern, lebt seit über zehn Jahren in den USA und schreibt vornehmlich erotisch angehauchte Paranormal Romance für den US-amerikanischen Markt. Auf Englisch. Soweit die Kurzfassung. Was bringt uns das für den deutschen Markt?

Es macht nach Beispielen wie Amanda Hocking und John Locke (und Michael Prescott und J. A. Konrath und noch ein paar anderen) deutlich, wie viel Substanz der eBook-Markt in den USA inzwischen aufweist. Selbst publizierende Autoren haben tatsächlich die Möglichkeit, alleine oder vorrangig durch eBooks ein gutes bis sehr gutes Einkommen zu erzielen.
Und die Zahl dieser Autoren wird größer. Der Markt bietet also auch weiterhin Entwicklungspotenzial nach oben. Das sind Zahlen, die sich in dieser Form auf Deutschland derzeit nicht übertragen lassen (von Ausnahmen wie Jonas Winner mal abgesehen).

Also: In den USA mit eBooks reich oder zumindest wohlhabend zu werden ist möglich. In Deutschland sollte man die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Aber für ein ordentliches monatliches Auskommen kann es auch bei uns schon reichen.
Dieses fällt aber weder in den USA noch hier vom Himmel. Es gibt Gründe, warum Tina Folsom Erfolg hat.

1.) Tina Folsom schreibt Paranormal Romance. Das ist auch hierzulande ein populäres Genre. Küssende Vampire verkaufen sich nach wie vor gut. In den USA machen weibliche eBook-Kunden zudem inzwischen mehr als die Hälfte aus.
Die kritische Masse, um mit einem erfolgreichen Taschenbuch-Genre auch im eBook Erfolg zu haben, ist längst erreicht. Frauen lesen viel, Frauen lesen gerne (zumindest deutlich lieber als Männer). Es ist also mit Sicherheit kein Fehler, wenn man sich als AutorIn mit frauenorientierten Unterhaltungsromanen auseinandersetzt.
Als Alternativen bieten sich noch Genres wie actionorientierte SF, harte Thriller und explizite Erotik an. Der deutsche eBook-Käufermarkt ist aktuell noch eher männerdominiert.

2.) Tina Folsom beherrscht die Grundtugend eines kommerziell erfolgreichen Autors: Sie schreibt, schreibt, schreibt. Die meisten erfolgreichen Self Publishing-Autoren in den USA sind vor allem eines: fleißig (in Worten: fleißig).
Der Erfolg mit eBooks ist umso wahrscheinlicher, je mehr "virtuelle Regalmeter" man in einem Online-Shop einnimmt. Je mehr Titel man hat, desto eher wird man wahrgenommen. Und desto eher generieren sich Mitnahmeeffekte, Folgeverkäufe für die anderen eBooks.
Es ist bei eBooks wie bei Büchern ein Glücksfall, mit nur einem Roman den großen Treffer zu landen. Schreiben ist vor allem eines: Beharrliche, zähe Arbeit. 10% Inspiration, 90% Transpiration. Diese Regel verliert auch bei eBooks nichts von ihrer Gültigkeit.
In Deutschland fallen mir hierzu zwei ehemalige Heftromanautoren ein, die beide derzeit auch durch die Masse ihrer alten Romane einen guten Umsatz erzielen. Diese Regel greift. Und zwar ganz gut.

3. Tina Folsom setzt auf das Serienkonzept: Scanguard Yampires, Venice Vampyr,  Out of Olympus und nun neu Cloak Warriors.
Ja, Einzelromane können erfolgreich sein. Eine dauerhafte(re) Leserbindung erreicht man durch Serien oder Reihen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Romane der meisten erfolgreichen Self Publishing-Autoren. LeserInnen lieben es, mit ihren HeldInnen mitzufiebern und mitzuleiden. Und ihre Entwicklung mitzuverfolgen.  Das ist keine neue Erkenntnis. Sie gilt in so gut wie allen Unterhaltungsmedien.
Die Sitcom Friends hat es durch ihren Titel völlig auf den Punkt gebracht, wie groß die emotionale Affinität der Zuschauer (und eben auch der Leser) sein kann. Das sollte man als Autor beherzigen, nutzen und umsetzen.

4. Tina Folsom verschleudert ihre eBooks nicht. Sie kosten durchschnittlich 4.99 US$ bzw. 4,99 Euro. Was heißt das?
Bei Amazon erhält ein Autor für ein eBook für 4,99 ca. 3,60 ausgezahlt. Bei den üblichen 8-10% Tantiemen für Softcover müsste ein Paperback also 36,- bis 45,- Euro kosten, damit ein Autor dasselbe verdient. Wohlgemerkt, ein Paperback!
eBooks bringen einem selbst publizierenden Autor schon mit Verkaufszahlen, die deutlich unter denen im Printbereich liegen, also ordentliche Einkünfte. Selbst wenn man Kosten wie Lektorat, Covergestaltung und Layout hinzurechnet, deckt ein eBook-Autor diese einmaligen Fixkosten schneller ab als ein herkömmlicher Verlag (unterschätze niemand den Overhead eines Verlages ...) und verdient ab dem break even-Punkt zu 100% an seinen Einnahmen.
Das Finanzamt lasse ich mal außen vor, das fragt ja sowieso an.

Tina Folsoms Erfolg ist ganz klar ein Glücksfall, aber sie hat ein paar Dinge unbeabsichtigt oder gezielt schon sehr richtig gemacht. Ich denke eher, zweiteres.
Also, keinen Neid aufkommen lassen, liebe AutorInnen, sondern analysieren, was sie gemacht hat und wie sie es gemacht hat. Diese Zeit sollte man sich nehmen. Das ist eine Investition, die sich auszahlt. Und danach sollte man sich ans Schreiben machen. ;-)

Kommentare:

  1. Sehr guter Kommentar - Respekt! Vor allem legt der Kommentar auch den Finger in die Wunde: Als Autor oder Autorin muss man halt fleißig sein. Das sind nicht unbedingt alle ...

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  2. Ich fasse mich da selbst an die eigene Nase. :o)
    Und vor "hack writers" in der Tradition der Pulp-Autoren habe ich schon immer Respekt gehabt. Es ist harte, handwerkliche Arbeit.

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  3. Prima Analyse. Danke! Mein eigenes Buch SECHS hat große Erfolge gefeiert und selbst jetzt, nachdem der Hype sich etwas gelegt hat, verdiene ich immer noch ganz gutes Geld damit (nachzulesen in meinem Blog http://ebook.educati.de). Zum Millionär bin ich nicht geworden, aber vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Indie-Autoren hierzulande.

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  4. Danke für diesen guten Kommentar. Ich hab auch den Eindruck, dass das Angebot wie bei der Hitparade dauernd in Bewegung ist, oder wie in einem Schaufenster in einer Laufgegend - jedenfalls bei Amazon. (Woanders hab ich noch keine Erfahrungen gesammelt.) Und wenn ich da nicht regelmäßig einen neuen Titel nachschiebe, dann bin ich nach einem Monat unter ferner liefen und verkaufe gar nix mehr. Ansonsten ist für mich als Noch-No-Name-Autor - ohne "Overhead", das Wort hab ich nun durch diesen Kommentar dazugelernt - der große Vorteil bei Ebooks, dass ich keine Unkosten hab und außerdem nachbessern bzw. "aktualisieren" kann. Beides ist bei Printbooks schon mal gar nicht drin.

    Gruß aus Berlin und frohes Schaffen bzw. Schreiben!

    Herbert Friedrich Witzel alias Hermann Syzygos

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