Mittwoch, 31. Oktober 2012

In drei (kleinen) Schritten zum eigenen eBook-Shop

Dieses Mal dankenswerterweise ein Gastbeitrag von Myra Çakan, arbeitsame Autorin außerirdischer Abenteuer.
Interessant sowohl für Autoren, die über einen eigenen Shop nachdenken, als auch für Leser, die sich fragen, warum nicht viel mehr Autoren einen eigenen Shop aufziehen und was das an Aufwand bedeutet.



Im Frühjahr 2011 las ich zum ersten Mal über das Kindle Self-Publishing-Programm von Amazon. Zwei Gedanken gingen mir durch den Kopf: „Backlist“ und „eBooks – wie geht das?“. 

Da ich nicht zu den Menschen gehöre, die alles jetzt und sofort ausprobieren müssen, beschloss ich erstmal abzuwarten. Im Sommer war es dann aber soweit: Mein Roman „Downtown Blues“ war fertig formatiert (von den Kopfschmerzen, die mir die Aktion verursachte, will ich hier nicht reden), ich hatte mich mit der Künstlerin, die die Illustration für die gedruckte Ausgabe gemacht hatte, über die Konditionen für die Verwendung des Covers geeinigt und bei meinem alten Verlag angefragt, ob ich den Klappentext für Werbezwecke verwenden dürfte.
Um die Geschichte abzukürzen: Meine anderen drei Romane folgten im Laufe des Herbstes und nachdem Roman Nr. 5 („Dreimal Proxima Centauri und zurück“) erschienen war, legte ich auch hier die eBook-Version nach. 

Alles lief wie geplant. Allerdings bekam ich ab und an Anfragen von Fans, die wissen wollten, ob es meine Bücher auch im ePub-Format geben würde und ob ich einen Shop hätte, in dem sie direkt vom Autor kaufen könnten. Erst da wurde mir eigentlich bewusst, dass es mehr als ein Format für eBooks gibt und auch mit hartem DRM hatte ich mich bis dahin nicht weiter beschäftigt, da Amazon mit dem Kindle ja ein geschlossenes System hat. 

Es wurde Frühjahr und ich dachte „Warum eigentlich nicht?“. Meine Internet-Recherche ergab, dass es auf dem einfachen Weg nicht möglich sein würde, einen funktionierenden Shop aufzubauen. Mit einfach meine ich nicht nur eine unkomplizierte Handhabung, sondern auch keine Vorab-Kosten sowie ein einfaches und sicheres Bezahlsystem für die Käufer, inklusive einer Downloadfunktion für die eBooks.

Zufällig stieß ich auf das White-Label-Modell von Ceebo. Ceebo gehört zu Media Control (das sind die, die Verkaufscharts für Musik etc. erstellen). Nachdem ich mir aus dem Web jede Menge PDFs geladen hatte, rief ich an, um noch offene Fragen zu klären. Und gleich komme ich auch zu den drei Schritten. Doch erstmal einige Sätze zu den Bedingungen und Konditionen bei Ceebo. 

Ich erfuhr Folgendes: Um einen Shop bei Ceebo zu haben, benötigte ich für meine Bücher ISB-Nummern. Eine Einrichtungsgebühr für meinen Shop würde es nicht geben, auch keine monatlichen Kosten. Das klang schon mal gut.
Um den Shop einzurichten, gab es zwei unterschiedliche Templates (doch dazu später mehr). Zahlen müsste ich nur pro erfolgtem Download und zwar plus/minus 1,00, abhängig vom VK-Preis des Titels. Außerdem würden meine Bücher noch in anderen White Label Shops und bei Partnern von Ceebo angeboten werden – u. a. auch bei Media Markt.  

Schritt 1: Im Internet hatte ich die Adresse der deutschen ISBN-Agentur gefunden und rief bei der Vergabestelle an. Es war, wie ich mir gedacht hatte: Um ISBN in höherer (und sehr viel günstigerer Stückzahl) beziehen zu können, brauchte ich einen Gewerbeschein. 

Schritt 2: Ich rief bei der Handelskammer an, um zu erfahren ob, und wenn ja welche, Kosten durch den Betrieb eines Gewerbes auf mich zukommen würden. Bei meinem Steuerberater erkundigte ich mich ebenfalls, was zu beachten sei. Da ich hier keine rechtsverbindlichen Aussagen geben kann, gehe ich nicht weiter in die Details.
Den Gewerbeschein holte ich mir gleich am folgenden Tag im Bürgerbüro ab. (Einfach beim Einwohnermeldeamt etc. nachfragen, wo es die Bescheinigung bei euch in der Region gibt, dann mit einem gültigen Ausweis und ca. 25,- Euro hingehen.)* Ich übermittelte der ISBN-Agentur eine Kopie und bestellte meine 100 ISB-Nummern, die mir kurze Zeit später zugestellt wurden.
Allerdings wollte die Vergabestelle von mir eine Liste der Bücher haben, die ich veröffentlichen wollte. Wenn ich nur einen Titel vorzuweisen gehabt hätte, wäre die Aktion vermutlich nicht so glatt gelaufen. 

* [Anmerkung TK: In Berlin sind es 30 Euro]

Schritt 3: Vertrag bei Ceebo unterschreiben. Nachdem ich meine Zugangsdaten bekommen hatte, bastelte ich mir meinen eigenen Shop. Ich hatte die Wahl zwischen zwei Shop-Modellen (horizontale oder vertikale Menüführung), konnte die Farbgebung selber bestimmen – für meinen Shop wählte ich das Design so, dass es zu meinem Autoren-Blog passte.
Dann musste ich nur noch ein Banner hochladen, damit der Shop fertig gestellt werden konnte, wobei das Banner nicht vorgeschrieben ist. Außerdem brauchte Ceebo noch eine Blanko-Rechnung als PDF. Die ganzen Infos hierzu kann man sich als PDF von der Ceebo-Seite runterladen.
Nachdem ich dann die Meta-Daten zu meinen Büchern eingegeben und Cover und ePubs hochgeladen hatte, war mein Shop fertig. Ach so … hartes DRM gibt es natürlich nicht bei der edition dardariee.

Mehr Tipps zum Thema eBook-Publishing gibt es in meinem neuen Blog.

[Anmerkung TK: Ich werde bei Gelegenheit nachhaken, ob Myra uns ein paar ihrer ersten Erfahrungen mit dem Shop, den Verkäufen und Abrechnungen schildern kann. :)]



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