Mittwoch, 21. November 2012

Eigentlich hilft nur eines: Schreiben.

Im letzten Beitrag ging es darum, sein eBook zu veröffentlichen. Das ist der erste, wichtige Schritt, um seine Leser zu erreichen.
Aber war es das schon? Erreicht man damit tatsächlich seine Leser? Verkauft sich ein Titel nur, weil man ihn veröffentlicht hat? Im besten Fall schon. Normalerweise beginnt die Arbeit ab jetzt erst richtig. Und im schlimmsten Fall macht es richtig Arbeit. Widmen wir uns dem schlimmsten Fall.


Wer als Kind schon einmal versucht hat, einen eigenen Stand auf dem Flohmarkt aufzumachen, um all seine Schätze zu verkaufen, wird sich schnell an diese Situation erinnert fühlen.
Man hat die Regale geplündert, Mutters beste Decke als Unterlage genommen und bietet seine Waren wohlfeil an - und alle laufen vorbei. Ab und zu wirft einer einen Blick auf die Gegenstände, vielleicht sogar einen interessierten. Aber stehenbleiben und etwas kaufen, das tun die wenigsten.

Nicht viel anders ergeht es einem als unbekannten Autor im virtuellen Bücherregal eines Online-Shops. Nur dass sich hier gleich tausende von Autoren wie man selbst mit ihrem kleinen Stand um Kunden bzw. Leser bemühen.
Irgendwie muss man aus der Masse doch hervorstechen und auf sich aufmerksam machen.

Werde ich nun die ganzen Tipps aufzählen, die hinlänglich bekannt sein dürften? Ja, in aller Schnelle. Und dann komme ich zum wesentlichen Punkt.
Eine eigene Homepage macht Sinn, auch in Zeiten von Social Networks. Und zwar eine mit www.vorname-nachname.de. Das ist konkret, deutlicher geht es nicht.
Eine Seite in einem Social Network ist derzeit einer der effektivsten Wege, mit (potenziellen) Lesern in Kontakt zu kommen (und zu bleiben!). In diesem Fall führt kein Weg an Facebook vorbei. Google+ kann man nutzen, muss man nicht.
Twitter ist eine Möglichkeit, mit kurzen Nachrichten der Welt mitzuteilen, was man gerade macht.
Ein eigener Blog (so wie meiner hier) ist eine gute Möglichkeit, sich etwas länger über Themen auszulassen. Und durch die Kommentarfunktion haben Leser die Gelegenheit, sich aktiv zu beteiligen.

Allen diesen Möglichkeiten ist eines gemeinsam: sie machen nur Sinn - für den Autor wie für den Leser -, wenn sie lebendig sind. Jeder Kanal, der nicht regelmäßig gepflegt und mit neuen Inhalten versehen wird, verliert an Reiz. Oder strahlt im schlimmsten Fall ein Desinteresse des Autors gegenüber seinen wichtigsten Verbündeten, den Lesern, aus.

Dann gibt es noch Wege, sich in den Online-Shops selbst bekannt zu machen. Die bekannteste ist derzeit das Select-Programm vom Amazon, mit dem man seine Titel innerhalb von 90 Tagen fünf Tage kostenlos anbieten kann. Wie großen ich den Nutzen derzeit einschätze, habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst (übrigens: es macht schon Spaß, auf sich selbst verweisen zu können ... ;-) )
Ein weiterer, deutlich teurerer Weg ist es, sich auf die Startseite von Online-Shops einzukaufen. Das kann je nach Größe des Shops drei- oder vierstellig für ein bis vier Wochen zu Buche schlagen. Falls ein Shop das bei Self Publishern überhaupt ermöglicht.

Gut, wir haben nun alles gemacht, das volle Programm: eigene Homepage, ein Blog, wir sind bei Facebook aktiv, twittern uns den Finger wund und nutzen eine Promotion-Möglichkeit in einem Shop. Wir haben auch ein paar gute Rezensionen erhalten.
Aber irgendwie bringt das alles nicht. Wie kam man eigentlich auf den unsinnigen Gedanken, mit dem Schreiben sein Geld zu verdienen?

Weil das unter dem Strich die einzige dauerhafte Methode ist, um als Autor seinen Platz zu finden (jetzt sind wir beim wesentlichen Punkt).
Verkaufen kann sich nur, was geschrieben wurde. Beworben werden kann nur, was geschrieben wurde. Und reden kann man nur über etwas, das geschrieben wurde.
Das beste Marketinginstrument von allen, die beste Möglichkeit, um sich bekannt zu machen ist, zu schreiben. Und zu schreiben. Und zu schreiben.

Zaghaftes Heben eines Zeigefingers: "Aber, ehm, das habe ich doch gemacht!"

Ja, einen Titel. Eine Geschichte. Ein Sachbuch. Wenn es mit diesem einen Werk geklappt hat, wunderbar! Es geht nun aber darum, was man macht, wenn nicht.
Dann hakt man den ersten Titel (vorübergehend) als Misserfolg ab, setzt sich hin und fängt mit dem nächsten an. Das ist erst einmal ein harter Schritt. Schließlich sind in den ersten Titel vielleicht Monate oder Jahre an Arbeit geflossen. Die jetzt einfach so abhaken?
Ja, was sonst? Die Leser mit vorgehaltener Waffe zum Kauf zwingen?

Kreativität ist eines. Fleiß etwas anderes. Aber um kommerziell Erfolg zu haben, ist Zähigkeit die entscheidende Tugend für einen Autor. Die Bereitschaft, einzugestehen, dass dieser eine Titel - aus welchen Gründen auch immer - nicht seine Leser erreicht hat.
Schreiben ist die effektivste Antwort, um irgendwann doch zur Kenntnis genommen zu werden. Autoren, die an Verlage gehen, reichen ihre Manuskripte mitunter dutzendfach, über Jahre hinweg, ein. Auf diesen langen Atem muss man sich erst recht als Self Publisher einstellen. Niemand da draußen wartet auf meine Werke, wenn ich ein unbekannter Autor bin.
Was kann man Vernünftigeres mit der Zeit, in der man darauf wartet, dass sich was tut, anfangen, als einen neuen Text zu beginnen? Damit beweist man sich auch selbst, dass man es als Autor ernst meint. Und nebenher sorgt man dafür, dass einen mehr Menschen kennen lernen.
Es geht im Endeffekt nicht darum, seine Romane zu verkaufen. Es geht darum, so viel Interesse an der eigenen Person und den eigenen Werken zu wecken, dass mögliche Leser mehr von einem wissen wollen. Und das geht umso besser, je mehr Werke man ihnen dann zur Auswahl anbietet. Damit sehen dann auch die Leser, dass man es ernst meint.

Das heißt nicht, dass es klappt. Aber nicht zu schreiben, das klappt erst recht nicht.
Also, der erste Versuch war nichts? Gut, in einen selbst reinhören. Da schlummert mit Sicherheit eine neue Idee. Hinsetzen. Ausarbeiten. Anfangen zu schreiben. Die Arbeit am nächsten Werk genießen.
Und nicht vergessen: ein eBook ist so lange verfügbar, wie man es selbst verfügbar macht. Der mögliche vorherige Misserfolg hat in der Zwischenzeit ja immer noch seine Chancen, von den Lesern entdeckt zu werden.


P.S.: Manchmal vermisse ich übrigens Schreibmaschinen. Das erste, leere Blatt einzuspannen und dann mit Schwung das Rädchen zu drehen, damit das Blatt durchgezogen wurde ... das vermittelte einem sehr bewusst, dass man etwas Neues begann. Es war ein guter Moment, um die Zäsur zu spüren und sich auf den nächsten Titel einzulassen.
Heute drücken wir in unserer Textverarbeitung auf "Neu". Das muss leider genügen.

Kommentare:

  1. "Schreiben ist die effektivste Antwort, um irgendwann doch zur Kenntnis genommen zu werden. Autoren, die an Verlage gehen, reichen ihre Manuskripte mitunter dutzendfach, über Jahre hinweg, ein. Auf diesen langen Atem muss man sich erst recht als Self Publisher einstellen."- Lieber Thomas, dieser Satz von Dir ist einer der wichtigsten Sätze in der ganzen Self-Publisher-Debatte! Der Hype um die Super-SP-Autoren, die angeblich mal eben fix ein Vermögen machen, führt sonst nur zu Enttäuschung.

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  2. Es ist wie in jedem künstlerischen Bereich.
    Musiker mit einem One-Hit-Wonder gibt es viele. Solche, die über Jahre und Jahrzehnte ihr Publikum finden, haben sich meist durch ein paar harte Lehrjahre durchbeißen müssen.

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