Montag, 19. November 2012

Wo veröffentliche ich mein eBook?


Wer als Autor den "Sprung ins kalte Wasser" wagt und sich als Self Publisher behaupten möchte, steht ziemlich rasch vor der Frage, wo und wie er eigentlich seine Texte selbst veröffentlichen kann.
Welche Möglichkeiten gibt es? Welche Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern? Worauf sollte man insgesamt achten?


Dieser Beitrag kann nur einen allgemeinen Überblick liefern.
Für Detailfragen kann ich nur empfehlen, einen Blick in die FAQ jedes Anbieters zu werfen, eventuell den Newsletter zu abonnieren, um auf dem Laufenden zu bleiben. Und falls es eine Community gibt, sich an dieser aktiv zu beteiligen und die Möglichkeit zu nutzen, Fragen zu stellen.

Die allererste Frage bleibt: Wo veröffentliche ich denn nun bitte mein eBook?

Im ersten Schritt sollte man sich auf Shops konzentrieren, die einen eigenen Zugang für Self Publisher anbieten. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

* Shops bieten diesen Direktzugang ohne Anfangsgebühren oder laufende Kosten an.

* Shops fordern normalerweise keine Mindestmenge an Titeln, um überhaupt aufgenommen zu werden.

* Man benötigt keine ISBN, um seine eBooks anbieten zu dürfen.

In diesen Punkten unterscheiden sich direkte Zugänge von den Vorgaben der meisten großen Distributoren oder Aggregatoren, die den Vertrieb in Online-Shops übernehmen. Zu deren Konditionen kommen wir weiter unten.
Ein direkter Zugang gibt einem Autor zudem mehr Kontroll- und Einflussmöglichkeiten an die Hand als der indirekte Weg über einen Distributor.
Ein Tippfehler im Klappentext? Ein neues Cover? Die falsche Kategorie? Einloggen, ändern, abspeichern. Die Änderungen werden entweder direkt oder binnen ein, zwei Tagen umgesetzt. Durch einen direkten Zugang hat man üblicherweise auch am schnellsten Zugriff auf die aktuellen Verkaufszahlen. Stunden- oder zumindest tagesaktuell.

Die meiner Einschätzung nach wichtigsten Shops mit Direktzugang sind Amazon KDP, Kobo Writing Life und beam eBooks. Mit ihnen deckt man einen großen Teil des Markts ab und bietet mit Mobi (Amazon und beam) oder ePub (Kobo und beam) die derzeit beiden wichtigsten Formate an.
Man müsste auch Apple mit iBooks nennen, nur setzt Apple für einen Direktzugang einen Mac-Computer und eine US-Steuernummer voraus.

Wenn nun der Direktzugang bei den Shops so viele Vorteile bietet, warum überhaupt noch einen Distributor in Betracht ziehen? Sie haben doch nur Nachteile, wie es aussieht.

* Alle Dienstleister, die ausschließlich als Distributor tätig sind, verlangen entweder eine Bearbeitungsgebühr pro Titel oder eine jährliche Gebühr. Oder im schlimmsten Fall beides. Konkrete Beträge lassen sich kaum nennen. Dies richtet sich nach der Menge an Titeln, die man anbieten kann, oder der Bedeutung, die einem der Distributor beimisst.

* Daran schließt der nächste Punkt an: Distributoren nehmen üblicherweise nur Verlage auf. Oder Autoren, die bereit sind, auf ihre Konditionen einzugehen. Das ist eine bewusst gesetzte Hürde, um platt gesagt nicht alles und jeden in den Vertrieb aufzunehmen.

* Distributoren setzen ISBN für eBooks voraus. In Shops wie Thalia, Libri, Weltbild oder libreka wird man nur mit ISB-Nummern zugelassen (bei iBooks ist sie seit Anfang November optional). Für Autoren, die nur einen einzelnen Titel haben, stehen die Kosten für eine ISBN in keinem vernünftigen Verhältnis. Ordert man als Verlag wie ich einen 1000er-Block, kostet jede Nummer vernachlässigbare Centbeträge.
Informationen zu ISBN findet man bei der deutschen Vergabestelle.
Zwingend erforderlich sind ISBN nicht. Rechtlich vorgeschrieben sind sie auch nicht. Sinn machen sie bei eBooks eigentlich auch nicht wirklich. Sie sind nur eben eine weitere dieser kleinen Hürden. Warum soll man es Autoren auch leicht machen?

Anbieter wie neobooks und Xinxii sind als Community gestartet und sind nun auch als Distributor tätig. Bei diesen fallen soweit ich weiß bisher keine Anfangskosten an. neobooks vergibt zudem kostenlos eine ISBN. In den Markt kommt durch solche "Quereinsteiger" also etwas Bewegung.

Da Distributoren es unabhängigen Autoren so schwer machen, von ihnen aufgenommen zu werden, wo liegen dann nun die Vorteile?

Ein Autor mit einem einzelnen Roman hat von einem Distributor nichts. Das gilt aber auch umgekehrt, das muss man ganz nüchtern und geschäftsmäßig sehen. Es gibt Ausnahmen wie Jonas Winner und seine "Berlin Gothic"-Reihe. Als der Erfolg bei Amazon unübersehbar war, fiel es ihm auch leicht, einen Distributor zu finden.
Aber wenn er schon bei Amazon solch einen Erfolg hatte, warum dann noch einen Vertrieb?
Weil Amazon zwar die mit Abstand größte Reichweite hat, aber eben doch nicht 100% des Marktes abdeckt. Im Augenblick dürften es 50-60% sein. Das heißt, geht man ausschließlich über Amazon, erreicht man fast die Hälfte des Marktes nicht. Und dieser Anteil lässt sich durch Kobo und/oder beam alleine nicht kompensieren.
Dazu kommt, dass Kunden bequem sind. Sie kaufen ihre eBooks dort ein, wo sie auch ihre Bücher einkaufen. Oder wo sie ihr Lesegerät gekauft hat. Jemand, der sein Lesegerät von Thalia oder Weltbild hat, wird auch seine eBooks eher in diesen Shops einkaufen. Nicht bei Amazon. Das sind Leser, die man nur schwer oder vielleicht gar nicht erreicht, wenn man ausschließlich auf z.B. Amazon setzt.
Und wie die Erfahrung der letzten zwei Jahre zeigt, haben die Shops unterschiedliche Leserschichten. Ein Roman oder ein Genre, das in Shop A keinen Erfolg hat, kann in Shop B sehr wohl seine Leser finden. Ich habe das bei der Science-Fiction und bei historischen Romanen selbst schon verblüfft festgestellt.


Wer als Richtwert fünf oder mehr Titel vorweisen kann, sollte einen Distributor daher ernsthaft ins Auge fassen.
Damit wird man auch unabhängiger von einem einzelnen Shop. Jeder Anbieter kann schwächeln und an Reichweite verlieren. Oder die Verkäufe laufen auf dieser einen Plattform gerade nicht richtig. Setzt man nur auf einen einzigen Vertriebspartner, kann man Schwankungen in den Verkaufszahlen schlechter abfangen, als wenn man sich breit aufstellt und so viele Shops wie möglich beliefert.

Zu den größten Distributoren gehören (ohne einen davon zu bevorzugen): Bookwire, ciando, Kontor New Media oder epubli. Alle von ihnen haben teils sehr unterschiedliche Aufnahmekriterien und Preise. Hier gilt also: Zeit nehmen und vergleichen. Zudem haben alle Verträge feste, teils mehrjährige Laufzeiten. Auch das sollte man in seine langfristige Planung einbeziehen.
Ebenso dem Umstand, dass Distributoren für ihre Dienstleistung einen substanziellen Anteil von den Nettoeinnahmen verlangen. Dieser Betrag liegt üblicherweise zwischen 30% und 50%.

Ganz wichtig! Wer sich für einen Distributor entscheidet, sollte sich im Klaren darüber sein, dass dieser normalerweise so viele Shops wie möglich beliefern will. Also auch die, die man schon selbst beliefert.
Hier sollte man im Vertrag darauf achten, ob man Exklusivrechte vergibt und sich sicherheitshalber schriftlich bestätigen lassen, für welche Shops man auch weiterhin selbst verantwortlich bleiben darf.

Fazit:
Wer als Autor mit zwei, drei Titeln an den Start geht, ist gut damit beraten, sich auf den Direktzugang von Shops zu konzentrieren. Und sich vielleicht einmal die Konditionen von neobooks anzusehen.
Wer vorhat, hauptberuflich vom Schreiben zu leben und ein wachsendes Sortiment an Titeln hat, sollte auch einen Distributor mit dem Vertrieb von jenen Shops betrauen, die man nicht selbst beliefern kann.


Kommentare:

  1. Darf ich noch XinXii (europaweite Selfpublishing- u. Distributionsplattform) anführen und empfehlen, als Distributor, der ebenfalls zu den im Artikel genannten Konditionen (kostenfrei, ohne Mindestvorgabe, ISBN nur für Distribution nötig) an viele Shops distribuiert? Infos zu den angeschlossenen Shops finden sich hier: http://www.xinxii.com/gd_cms.php?page=distribution_de Die Provisionen verhalten sich ähnlich wie bei Amazon u. meines Erachtens noch ein wenig günstiger: 70 % ab einem Preis von 1,99 EUR pro E-Book.

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  2. Xinxii hatte ich im Beitrag ja aufgeführt, der Hinweis auf die 70% ab 1,99 ist aber ja nicht ganz unwichtig.

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  3. Echt klasse, was das Internet in der heutigen Zeit alles für Möglichkeiten bietet. Ich bin begeisterter Leser und habe auch schon einmal darüber nachgedacht, ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Bisher war mir noch nicht ganz klar, wie ich das am besten anstelle. Danke dafür :) Eine andere, sehr interessante Seite, die mir ebenfalls geholfen hat, ist http://www.veroeffentlichen-heute.de. Dort geht es rund um das Thema Buch und das Publizieren. Besonders spannend fand ich dort das Thema Crowdfunding.

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  4. Ich bin Selfpublisher und finde Xinxii unschlagbar: Service, Konditionen, Qualität der Konvertierung und freie Wahl der Shops (das ist mir besonders wichtig).

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  5. Ich finde aber, dass man sein Buch auf jeden Fall vor dem Publizieren einem Lektor geben sollte. Ich finde zwar, dass eBooks einige Vorteile haben, aber auch Nachteile. Ein riesiger Nachteil der eBooks ist in meinen Augen, dass nicht mehr Qualität im Vordergrund steht, sondern die Quantität. Jeder der möchte kann nun für wenig Gel veröffentlichen und das kann auf die Dauer nicht gut gehen. Ein Lektorat sollte Pflicht sein. Auch für Selbstverleger. Das finde ich, sonst wird der Buchmarkt immer mehr durch Literatur überflutet, der es an Qualität fehlt.
    Darum werde ich probieren noch über einen Verlag zu veröffentlichen. Dieser hier scheint mir z.B. sehr seriös zu sein.
    http://www.frieling.de


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  6. Wilhelm Ruprecht Frieling - der den Verlag dieses Jahr verkauft hat - ist ja inzwischen selbst in der Self Publisher-Szene aktiv.

    Ein Lektorat scheitert meist an einem von zwei Gründen: Geld oder Selbstüberschätzung.
    Wenn das Geld fehlt, sollten wenigstens so viele (kritische) Testleser wie möglich gesucht werden.
    Bei Selbstüberschätzung hilft dann auch ein Verlag meist nichts mehr. ;-)

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  7. Der Frieling-Verlag ist ein Druckkostenzuschussverlag, wie man weiß, den der Gründer nicht erst in diesem Jahr verkauft hat - sondern schon vor Jahren. Der Verlag heißt seit 2005 "Frieling & Huffmann GmbH" und der Verleger ist Johann-Friedrich Huffmann. Ein Druckkostenzuschussverlag verlangt ja nicht nur Geld fürs Lektorat - sondern für die gesamte Buchproduktion. Dann fährt man als Selfpublisher viel besser, das Geld in ein gutes Layout und Lektorat zu investieren, denn es gibt so viele gute freie Lektoren, die sich über Aufträge freueen. Und es hat nichts mit E-Books an sich zu tun, dass die Qualität der Texte abnimmt. Das E-Book ist nur eine neue Art von Lesemedium - diese Diskussion ist völliger Blödsinn. Ein Druckkostenzuschussverlag wie Frieling kann seriös sein, dennoch unterschreibt man einen Autorenvertrag und sichert damit dem Verlag die Existenz, der Verlag lebt von diesem Geld der Autoren. Und in den Buchhandel kommt man über einen solchen Verlag ähnlich schwierig wie als unbekannter Selbstverleger ... Welchen Vorteil hat dann gegenüber diesen neuen Möglichkeiten bitte dieser Druckkostenzuschussverlag - meiner Meinung nach sind diese Verlagsmodelle veraltet und hoffentlich ist keiner mehr so naiv, sein Erspartes in einen solchen Vertrag zu investieren ...

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