Freitag, 3. Mai 2013

Leichter gefunden werden: die zweite eBook-Kategorie bei Amazon

Wie ich in meinem letzten Blogeintrag ausgeführt habe, reicht es nicht aus, in einem Online-Shop vertreten zu sein. Entscheidend ist, dass man gesehen wird, um von den Lesern überhaupt erst entdeckt zu werden.
Um gesehen zu werden, ist aber wichtig, eines zu verstehen: Der Einstieg ist nicht in jeder Kategorie gleich schwer oder leicht.
Mit der Wahl einer geeigneten Nische kommt man durch den Seiteneingang eventuell leichter an sein Ziel, als durch den Haupteingang.

Wer ein eBook in einem Online-Shop anlegt oder über seinen Distributor hochladen lässt, muss mindestens eine Kategorie angeben, in die der Titel eingeordnet wird.
Die Entscheidung, welche Kategorie man auswählt, legt gleichzeitig fest, mit welchen Mitbewerbern man um die Gunst der Kunden konkurriert. Im schlimmsten Fall liegt man als unbekannter Autor in einer beliebten Kategorie mitten unter Bestsellern - bereits erfolgreichen oder potenziellen.
Wie groß die Chance ist, dass man sich als kleiner Hecht unter diesen großen Hechten behaupten kann, kann sich jeder selbst ausrechnen.
Promotion-Aktionen wie das Select-Programm von Amazon können hier einiges bewegen, wie die Erfahrungen von erfolgreichen Self Publishern belegen. Aber auf diesen Gedanken kommen inzwischen eben auch andere.
Das heißt, man konkurriert in einem hart umkämpften Genre schon wieder mit anderen mindestens gleich starken Titeln.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet Amazon über KDP sogar selbst an: Die Wahl einer zweiten Kategorie.
Ich habe diese zweite Kategorie lange Zeit sehr unterschätzt. Sie war für mich ein nettes Feature, um Amazons mitunter wenig nachvollziehbare Kategorienaufteilung auszugleichen.

Dabei ist sie vor allem eines: ein kostenloses Marketinginstrument.
Der Seiteneingang, wenn unser Haupteingang durch zu viele Mitbewerber belagert wird.

Um eine größere Chance haben, entdeckt zu werden, sollte man in irgendeiner der prominenten Listen vertreten sein, allen voran den Top 100-Listen einer Kategorie. Leser bevorzugen bestimmte Genres und suchen innerhalb dieser Genres nach Anregungen.
Amazon listet pro Seite 20 Treffer. Es bedarf für einen Leser gerade einmal fünf Klicks, um sich einen Überblick über die erfolgreichen Titel in dieser Kategorie zu verschaffen.
Das ist - gemessen an der Menge hunderttausender eBooks - ein geringer Aufwand. So viel stöbere sogar ich als fauler Mensch. Erst recht, wenn ich Fan eines Genres bin.

Der Aufwand, um in diese Top 100 Listen zu kommen, ist aber je nach Kategorie - also je nach Nische - enorm.
Ich erlebe das gerade an zwei meiner Verlagstitel auf prägnante Weise.

Der erste Titel ist die Neuauflage eines Science-Fiction-Zyklus' aus den 1960er Jahren. Also nichts, was nach Bestseller klingt.
Ich biete ihn seit Mitte Januar an. Er hat sich für mich überraschend ziemlich schnell im Bereich von Platz 800 bis 1000 einsortiert. Das bedeutet in der Science-Fiction ca. Rang 40. Seitdem verkauft er sich beständig. Und: er steigt im Rang. Langsam, aber sicher. Jetzt, nach über einem Vierteljahr, steht er aktuell auf ca. Platz 500 und damit auf Rang 15 in der Science-Fiction. Auf der ersten Seite der Top-Liste. Inmitten aktueller, neuer Romane.
Ich nähere mich langsam den 1000 Verkäufen. Bei einem Verkaufspreis von 6,99 kommt also langsam ein gewisser Umsatz zusammen. Großes Kleinvieh macht auch Mist, aber das nur nebenbei.

Der zweite Titel ist ein historischer Krimi, ein neu geschriebener Roman. Und um den geht es. Der SF-Band oben dient nur als Vergleich.
Nach seiner erfolgreichen Select-Aktion (Platz 1 kostenlos insgesamt) hat er sich auf Platz 400 der kostenpflichtigen eBooks einsortiert. Also deutlich besser als der Science-Fiction-Band.
Das Problem ist nur: "Krimi & Thriller" ist eine der am härtesten umkämpfen Kategorien (wohl nicht nur) bei Amazon. Um es wenigstens auf Rang 100 der Top-Liste zu schaffen, musste man um Ostern herum mindestens Platz 300 erreichen. Das schaffte der Titel auch. ein paar Mal. für ein paar Stunden. Um dann wieder auf Rang 10x abzurutschen.
Und damit aus der Liste zu verschwinden. Aus den Augen, aus dem Sinn. Nach vier Wochen im obskuren Nirwana der so haarscharf knapp nicht gesehenen Krimis auf Platz 400 rutschte er innerhalb einer Woche auf Platz 4000+ ab.

Durch einen Tipp von Johannes Zum Winkel von xtme habe ich zwei Dinge gleichzeitig gemacht:
1.) ich habe den Band für einen Aktionswoche auf 99 Cent gesetzt. Damit ist er deutlich günstiger als regulär, und ich muss keine Select-Aktion einsetzen (die nach den 10.883 Downloads der ersten Aktion wohl nicht mehr viel bringen dürfte, um nicht noch die letzten potenziellen Leser kostenlos zu bedienen).
2.) Ich habe mir mit meiner zweiten Kategorie über KDP eine neue Nische gesucht. Die historischen Romane.

Wie sieht es aktuell aus?
Der Krimi steht momentan auf Platz 1.041 insgesamt. In der Kategorie "Krimi & Thriller" jenseits von Gut und Böse. In der Kategorie "Historische Romane" finden wir ihn aber plötzlich auf Rang 75 wieder.

Dass eine deutlich schlechtere Platzierung ausreicht, um sich in einer anderen Kategorie besser einzusortieren, sagt natürlich viel darüber aus, wie sich historische Romane auf Amazon als eBooks im Vergleich zu Krimis verkaufen.
Sie tun es aus eigener Erfahrung deutlich schlechter. Und das lässt sich zum eigenen Vorteil ausnutzen. Denn das heißt, dass auch die Konkurrenz schwächer ist. Ein Aufstieg im Ranking ist in dieser Kategorie der "zweiten Liga" deutlich leichter zu erreichen als in der Champions League der Krimis.

Natürlich ist es unter dem Strich entscheidend, wie viel man verkauft. Aber wie viel man verkauft, hängt davon ab, wie prominent man platziert ist. In irgendeiner Kategorie. Denn ein Aufstieg in der vermeintlich schwächeren Kategorie unterschützt den Aufstieg in der eigentlich ersten Kategorie, da ja das Ranking insgesamt steigt.

Bei der Wahl seiner beiden Kategorien in KDP sollte man also strategisch vorgehen.
Die erste Kategorie sollte natürlich die sein, die am besten passt. Auch wenn sie hart umkämpft ist. Bei der zweiten sollte man sich gezielt eine weniger prominente Kategorie suche, die inhaltlich natürlich immer noch zum Inhalt passen sollte.
Man sollte sich also die Zeit nehmen, um die Top-Listen bei Amazon durchzusehen und zu vergleichen, wo im Gesamtranking z.B. Rang 1, Rang 10, Rang 50 und Rang 100 der Kategorie stehen.

Der Vorteil von KDP ist, dass man seine Auswahl zeitnah wieder ändern kann, wenn die erste Strategie nicht aufgeht.
"Historische Romane" ist doch härter als gedacht? Rang 1 steht momentan auf Platz 35 insgesamt.
Dann versucht man es mit "Dramatik". Dort steht Rang 1 auf Platz 96. Und der Unterschied ist enorm zwischen diesen 60 Plätzen. Man benötigt deutlich weniger Verkäufe, um Platz 96 zu knacken als Platz 35. Bei "Gegenwartsliteratur" ist es wiederum Platz 3, gegen den man antritt.
Alles drei sind Unterkategorien von Belletristik. Aber der Einstieg und Aufstieg wird sich in jeder dieser drei Kategorien unterschiedlich schwer gestalten. Warum sollte man es sich also unnötig schwer machen und sich dort durchquetschen, wo jeder rein will?


Ergänzung:
Von Autorin Pat McCraw bin ich auf einen interessanten Workaround hingewiesen worden.
Anstatt die Kategorien in KDP bei der Anmeldung zu nutzen, scrollt man bis ganz nach unten und wählt als Kategorie "nicht klassifizierbar" aus.
Dann schreibt man an den KDP-Support - dort gibt es im Kontaktformular einen Punkt für Kategorienprobleme - und bittet den Support darum, den Titel in eine bestimmte Kategorie einzufügen. Dafür muss man in der Mail den Navigationsstrang zur gewünschten Kategorie im Shop genau benennen, im meinem Fall war das:
"Kindle-Shop › Kindle eBooks › Belletristik › Historische Krimis"

Diesen findet man, indem man sich im Shop links im Menü zur gewünschten Unterkategorie durchklickt. Er steht oberhalb der aufgeführten Treffer.
Meine Anfrage hat der Support innerhalb von zwei Stunden beantwortet, und bis zum nächsten Morgen war der Titel in dieser Kategorie im Shop zu finden.

Dieses Vorgehen erlaubt natürlich eine punktgenaue Einordnung in die Wunschkategorie.


Nachtrag:
Um meinen oben beschrieben historischen Krimi noch weiter zu pushen, greife ich nun auf die Promotion-Aktionen und die Erfahrung von Johannes Zum Winkel zurück. Ich bin professionell genug, um zu wissen, wann ich mich durch einen Profi unterstützen lasse. :)

Kommentare:

  1. Prinizipiell stimmt alles. Aber hier sollte der Hinweis nicht fehlen, dass auch die zweite Kategorie einigermaßen dem Genre des Romans entsprechen sollte. Ich würde es als Leser sofort an Amazon melden, wenn ich bei den historischen krimis einen Gegenwartskrimi finden würde.
    VG,
    Detlef

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    1. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, deshalb habe ich darauf nicht hingewiesen. ;) Aber es ist natürlich völlig richtig.
      Eine falsche Kategorie, nur um sich irgendwo gut zu platzieren, ist wenig hilfreich und verärgert im schlimmsten Fall die Kunden.

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