Sonntag, 14. Juli 2013

Verstehe deine Social Networks - wie man als Autor Facebook & Co. einsetzt

Jeder Autor - und gerade ein Self Publisher - ist daran interessiert, mehr Leser zu erreichen. Und was bietet sich als Plattformen besser an, als die großen sozialen Netzwerke, namentlich: Facebook, Twitter und Google Plus?
Der schlimmste Fehler, den man machen kann, ist allerdings, diese Plattformen in erster Linie als Marketinginstrument zu verstehen und einzusetzen.


Soziale Netzwerke dienen in erster Linie einem Zweck: User mit gleichen Interessen zueinander zu führen. Das muss man sich als Autor bewusst machen. Matthias Matting weist darauf in seinem Blogeintrag speziell zu Twitter hin.
Das mag einem als deutscher Autor schwer fallen zu verstehen, deshalb ein kleiner - aber wichtiger und entscheidender - Exkurs.

Facebook, Twitter und Google Plus haben eines gemein: sie sind US-amerikanische Firmen. Das hat nicht nur datenschutzrechtliche Auswirkungen, sondern vor allem sozio-politische.
In den USA wird 'Service' großgeschrieben. Das gilt aber nicht nur für Unternehmen, das gilt umso mehr für die gesamte Kultur. 'Service' ist einer der Grundpfeiler des US-amerikanischen Selbstverständnisses.
'community service', also Nachbarschaftshilfe, 'service for your country', der Dienst am Vaterland und 'customer service', der Dienst am Kunden. DAS muss man verstehen, um die derzeit relevanten sozialen Netzwerke zu verstehen. Service ist einer der Klebstoffe, die die US-amerikanische Kultur zusammenhalten. Wer die Blogs US-amerikanischer Autoren verfolgt, wird bei vielen eine Bereitschaft feststellen, mit ihren Erfahrungen jüngeren Autoren bereitwillig zu helfen. Dean Wesley Smith, J. A. Konrath, Kristine Kathryn Rusch, usw.

Was bedeutet das für Autoren (gerade auch für uns deutsche?).

Wer ein soziales Netzwerk nutzt, sollte dies als Service verstehen. Man tut etwas für andere. Es geht nicht darum, sich selbst zu präsentieren oder gar sich anzupreisen, sondern darum, anderen mit dem, was man zu bieten hat, zu helfen (wenn man zwischendurch doch auf eine Neuerscheinung hinweist, ist das auch okay ;) ).
Das kann von einfachen kurzen Nachrichten zur Unterhaltung bis hin zu konkreten Hilfestellungen alles sein. Seid für andere da. Präsentiert euch als Mensch, der bereit ist, anderen mit dem, was er weiß, zu helfen. Dann habt ihr die geeignete Grundhaltung.

Dabei haben die großen sozialen Netzwerke jede ihren eigene Schwerpunkt, den man als Autor im Auge behalten sollte.

Facebook:
Facebook ist der umfassendste Dienst. Er ermöglicht von kurzen Nachrichten bis hin zu ausführlichen Diskussionen eine breite Plattform für die unterschiedlichsten Formen, als Autor für andere da zu sein. Seid es mit einer kurzen Mitteilung oder einer Meinung, aus der sich eine rege Diskussion entwickeln kann.

Twitter:
Twitter baut auf Schlagwörtern auf. Und auf Momentaufnahmen. Darauf, wie interessant der Alltag eines Menschen ist. Ein Autor sollte weniger über seine Romane twittern, sondern mehr über seine Katze, die gerade quer über der Tastatur liegt, der Dachrinne, die es noch zu reinigen gilt und dem Essen, das gerade angebrannt ist. Plumpe Werbung für Bücher? Darum geht es in Twitter erst mal gar nicht.

Google Plus:
Google Plus ist schwieriger einzuordnen. Es geht weniger um Personen als um Themen. Dafür sind die Kreise. Google Plus dient dazu, ein Netzwerk seiner eigenen Interessen aufzubauen und andere Menschen damit zu verknüpfen. Das wirkt vielleicht etwas unpersönlicher, insgesamt erlaubt es einem innerhalb der Themen bzw. Kreise aber wiederum Möglichkeiten, Menschen zu erreichen, die man selbst den Kreisen hinzugefügt hat.

Für alle drei Plattformen gilt: Sei du selbst, aber denke und handle professionell.
Es geht darum, dass dich die Leser als Mensch mit Ecken und Kanten, Vorlieben und Abneigungen kennen lernen. Aber es geht immer noch darum, dass du deinen Charakter ansprechend platzierst. Das Marketing der eigenen Person!
Religion und Politik können Themen sein, die einen zu deutlichen Meinungsäußerungen bewegen. Mit einem professionellen Auftreten sollte man sich aber bewusst sein, wie weit man tatsächlich gehen will, um Leser (oder einfach nur Menschen, die sich für einen interessieren) nicht mit der eigenen Meinung unnötig vor den Kopf zu stoßen.
Es ist schön, wenn man sich gegen andere durchsetzt. Eine Bundesliga-Tabelle gibt es dafür aber nicht. Absteigen kann man hingegen schnell, wenn man seine eigene Meinung höher einschätzt als das Interesse der Menschen, einem zu folgen ...

Soziale Netzwerke ermöglichen eines: das Präsentieren der eigenen Person bzw. Persönlichkeit.
Wenn diese so ansprechend und interessant ist, dass einem andere folgen, werden sie früher oder später auch darauf stoßen, dass man Romane schreibt. Und wenn ihnen dann noch die Themen gefallen, werden sie sie vielleicht auch lesen.
Das Letzte aber, was sie wollen, sind fortlaufend Links oder Hinweise, wie toll doch die eigenen Romane sind. Menschen entscheiden immer noch selbst, was ihnen gefällt.

Kommentare:

  1. Es ist schön, dass du dir Gedanken machst, und es sind einige Infos drin. Aber ich hätte mir einen Leitfaden gewünscht.

    Und ehrlich gesagt: Ich finde es toll, wie Stars FB, Twitter und Co. nutzen. Aber von Autoren werde ich oft mit Werbung zugespammt - sie leben nur für ihr Buch...

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    1. Letztlich ist es der Leitfaden:
      Erzähle von dir, schau, wie du dich in Diskussionen einbringen kannst, präsentiere deine Interessen und etabliere dich als gerne gesehener Gesprächspartner. :)

      Auf Facebook kann ich empfehlen, Kai Meyer oder Carla Berling zu folgen. Die weisen natürlich auch auf ihre Bücher hin, aber es kommt bei mir homogen an, wie ein Teil ihrer Person, nicht wie Werbung.
      John Scalzi nutzt Twitter z.B. für alles Mögliche, dass die paar Hinweise auf seine Romane zwischendurch kaum noch auffallen.

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  2. da ist manch Wahres dran, nur der Satz "Bücher? Darum geht es in Twitter erst mal gar nicht" ist imho blühender Unsinn. Es ist durchaus denkbar, einen wunderbaren Twitter-Kanal zu machen rund um Buch-Neuerscheinungen u.ä. - oder auch für das nächste Buch zu recherchieren und es dadurch auch "subtil zu bewerben". Aber danke für den Hinweis auf den Service-Charakter, das wird hierzulande allzu oft vergessen.

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    1. Die Formulierung "Bücher?" ist so tatsächlich etwas knapp. Ich habe den Satz jetzt ausformuliert.
      Hinweise, woran man gerade schreibt, oder wofür man recherchiert, sind auf Twitter gut aufgehoben.

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  3. In den USA wird 'Service' großgeschrieben. Das gilt aber nicht nur für Unternehmen, das gilt umso mehr für die gesamte Kultur. 'Service' ist einer der Grundpfeiler des US-amerikanischen Selbstverständnisses.

    Wenn ich vor allem mit Deutschen vernetzt bin, betrifft mich das auch auf einer US-Plattform wenig, oder anders gesagt, habe ich davon nicht viel. Wer etwas amerikanischer und offener drauf ist als der Durchschnitt, fühlt sich womöglich irgendwann ausgefragt oder ausgenutzt. Die deutsche Kultur ist vergleichsweise misstrauisch.

    Andererseits fällt man umso mehr auf, wenn man z.B. die eigene Marketingstrategie oder gar die Verkaufszahlen offen legt, vielleicht bringt das dann irgendeinen Nutzen.

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    1. Um soziale Netzwerke effektiv zu nutzen, halte ich es für zwingend erforderlich weg vom Gedanken "Was bringt es mir?" hin zum Gedanken "Was bringt es anderen?" zu kommen.
      Solange man den eigenen Vorteil in den Vordergrund stellt, wird man naturgemäß misstrauisch sein.

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    2. Ja, das ist mir schon klar. Aber der offene Pioniergeist kann halt irgendwann erschöpfen.

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