Dienstag, 30. Juli 2013

Warum Amazon nicht auf ePub setzt

Kurze Antwort: Warum sollte es?
Amazon hat sowohl über sein hauseigenes Format Mobi / AZW / KF8 wie über das verwendete DRM-System die volle Kontrolle. Es ist weder den Vorgaben des ePub-Konsortiums IDPF verpflichtet noch muss es sich durch Adobe ein fremdes DRM-System aufzwingen lassen.

Entscheidend ist aber letztlich der Marktanteil. Amazon ist derzeit der mit Abstand weltweit führende und dominierende Anbieter. Ich schlüssele das anhand der Zahlen für 2012 auf den drei wichtigsten westlichen Märkten USA, UK und DE einmal auf.


USA:
Umsatz durch eBooks: 3 Mrd US$, das entspricht ca. 2,26 Mrd Euro
Marktanteil Amazon: 60 %


UK:
Umsatz durch eBooks: 215 Mio GBP, das entspricht ca. 248 Mio Euro
Marktanteil Amazon: 90 %

Quelle (zu den 215 Mio hochgerechnet, zum Marktanteil)

DE:
Umsatz durch eBooks: 87 Mio Euro
Marktanteil Amazon: 40 %


Zum einen zeigt es, dass Amazon in diesen drei Märkten zusammen über einen Marktanteil von 62 % verfügt. Eine solide absolute Mehrheit. Amazon soll sich für ePub öffnen? Das kann niemand ernst meinen.

Zum anderen zeigt es die Größenordnung, die eBooks in den USA haben. Der US-Markt war 2012 über 25 Mal so groß wie der deutsche und immerhin noch neu Mal so groß wie der britische.

Sollte die EU wie angedacht jemals Amazon zu einer Öffnung seines Systems für ePub zwingen, könnte es sich Amazon (rein theoretisch) leisten, sich vom europäischen Markt zurückzuziehen und auf den Rest der Welt konzentrieren, neben Nordamerika vor allem auf Indien und China.
Deren Bevölkerung beträgt zusammen derzeit ca. 2,5 Mrd Menschen, das Fünffache der EU. Wer dort mit Lesegeräten Fuß fasst, dominiert den weltweiten Markt.

Amazon und ePub? Träum weiter, ePub.


1 Kommentar:

  1. Sollte die EU (wie angedacht) jemals Amazon zu einer Öffnung seines Systems für ePub zwingen, könnte es sich Amazon leisten, sich vom europäischen Markt zurückzuziehen

    Das wäre nicht mal nötig. Für die Kindle-Shops in deutscher, französischer und italienischer Sprache würde sich die Schweiz anbieten. Kunden aus GB und Irland könnten bei Amazon USA kaufen, oder auf eine englischsprachige Seite in der Schweiz umgeleitet werden. Beim E-Book hat das ja keine Nachteile.

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