Sonntag, 25. August 2013

Fünf Jahre eBook-Verzeichnis Kambaa - ein Rückblick auf fünf Jahre eBooks

Gestern habe ich nach fast fünf Jahren mein eBook-Verzeichnis "Kambaa" eingestellt.
Mir hat die Zeit zur Pflege der Einträge und zum Ausbau der Kategorien gefehlt. Zudem hat sich der Markt in den letzten fünf Jahren fortlaufend gewandelt - Anbieter, die 2008 noch als 'heiß' galten, sind 2013 längst verschwunden, wurden aufgekauft oder haben ihr Geschäftsmodell grundlegend verändert.

Ich bin diese Links gestern durchgegangen, um zu sehen, welche von ihnen auch heute noch für Leser, für Self Publisher und für den Markt insgesamt von Bedeutung sind. Diese veröffentliche ich nach und nach in kleinen Kategorien hier auf 'eBooks pur'.


Diese Durchsicht macht auf mich den Eindruck, als sei spätestens 2013 die erste "Goldgräberstimmung" vorbei.
Das Medium eBook ist dabei, sich zu konsolidieren. Was meist nichts anderes heißt, dass viele kleine Anbieter auf der Strecke bleiben. Oder sich Konzepte und Technologien als Sackgassen erwiesen haben.

heubach media bot 2009 z.B. das innovativste Konzept für eBooks auf dem iPhone. In Form von Apps. Das Unternehmen war damals dabei, richtig durchzustarten - und dann kam 2010 das iPad und iBooks mit ePub-Unterstützung und integriertem Shop. Das Unternehmen stellt immer noch Apps her. Im eBook-Bereich spielt es keine Rolle mehr.

Fictionwise war bereits ab dem Jahr 2000 einer der ersten großen unabhängigen eBook-Shops weltweit und gerade für Fans der phantastischen Literatur eine gute Anlaufstelle. Die Seite bot - als eine der wenigen - stets mehrere Formate gleichzeitig an. Und hat bewiesen, dass die heutige Monokultur in Shops (sei es AZW, sei es ePub) keinesfalls selbstverständlich ist.
2009 wurde Fictionwise von Barnes & Noble aufgekauft. Ende 2012 wurde der Verkauf über die Seite eingestellt, der Transfer zum B&N-Konto Ende Juni 2013.
Dasselbe Schicksal traf auch eReader.com, eine andere der frühen, großen Seiten. Die auf ein Format setzte: PDB von Palm.

Was heute ePub gegen AZW war, war ca. 2005 Mobi/PRC gegen Palm/PDB. Und ein bisschen Microsoft/LIT. Aber Microsoft lässt Konzepte ohnehin gerne wie eine heiße Kartoffel fallen, wenn sie nicht sofort den erwünschten Erfolg bringen.
Den "Formatkrieg" gab es also auch schon früher. Unter zwei proprietären Formaten. Und beide Formate hatten ihre bevorzugte Hardware. PDB selbstverständlich die PDAs von Palm, PRC die PocketPCs.
Beide hatten ihren eigenen "Hausshop", PDB eben eReader.com, PRC natürlich Mobipocket.com. DRM war bei beiden selbstverständlich. Und beide boten Vertriebswege und einfach zu bedienende Software an, um eigene eBooks in die Shops hochzuladen. Nicht unbedingt für Self Publisher, aber für kleine Verlage war das schon eine willkommene Möglichkeit, sich gleichberechtigt neben den großen Publikumsverlagen zu präsentieren.

Alles so wie man es heute kennt.
Nur die Namen und Mitspieler haben sich geändert. Bis auf Mobipocket, das 2005 von Amazon aufgekauft wurde und so gesehen das erfolgreichste und langlebigste Konzept der letzten zehn Jahre ist. Ohne Mobipocket - ein französisches(!) Unternehmen - heute kein Kindle.
Und selbst Mobi erlebt nun seine Endphase, nachdem Amazon für diesen Spätsommer die Unterstützung des älteren Mobi-Formats einstellen wird und auf KF8 setzt.

Die Veränderungen betrafen aber auch große Konzerne.
"T-Pay" war ein ganz vernünftiges Bezahlsystem der Deutschen Telekom für Anbieter mit eigenem Shop. T-Online-Kunden konnten damit bequem einkaufen, z.B. über die Telefonrechnung. Allen anderen blieben noch die klassischen Bezahlvarianten. Es wurde 2010 eingestellt.
Dafür ist die Telekom jetzt bei "clickandbuy" engagiert, das früher Firstgate hieß und nach wie vor eines der verbreitetesten Bezahlsysteme anbietet.

Auch Bertelsmann hatte mit "Pubbles" langfristig kein glückliches Händchen. Als Shop geht er Ende September offline. Als Vertrieb wird er wohl für das Tolino-Netzwerk weiterhin aktiv bleiben.

"Skiff" war 2009 eines der ehrgeizigsten Projekte in den USA, initiiert von der Hearst Corporation, einem der größten Medienunternehmen. Es sollte nicht nur einen eBook-Shop samt Zeitungskiosk liefern, sondern auch ein neuartiges Lesegerät auf flexiblen, biegsamen Folien. Die Prototypen waren bereits vorgestellt worden.
Sehr innovativ. Und tot vom Pferd geschossen, bevor es aufgesessen war.

Gerade die Hardware hat ja mitunter eine recht kurze Halbwertszeit bewiesen. Dabei reicht die Palette von Vaporware über Bananenware (deren Firmware beim User reift) über Exoten bis hin zu Technologien, bei denen man sich ernsthaft fragt, warum daraus nichts geworden ist.
txtr, WeTab, Kno Tablet, Notion Ink Adam, Plastic Logic (gerade Letzterem wäre zu wünschen, dass es auch für Lesegeräte noch einmal eingesetzt wird). Ich prognostiziere das - bei aller Kartenlegerei - auch für Farb-eInk-Geräte, nach sich 7-Zoll-Tablets so deutlich durchsetzen.

Ich werde also bei meinen Linklisten (schon aus eigener Bequemlichkeit) nur die Seiten aufnehmen, die hoffentlich auch in ein paar Jahren noch vertreten sein werden. Andererseits wird es interessant zu sein, 2018 wieder solch einen Rückblick zu machen.
Es zeigt aber, wie sehr dieser Markt in Bewegung ist. Der Stand 2012/13 ist nicht in Stein gemeißelt. Für keines der Unternehmen.

An dieser Stelle vielen Dank noch mal an alle, die Kambaa genutzt haben. Es war für mich eine spannende Erfahrung und für Sie hoffentlich eine gute Anlaufstelle.

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