Montag, 2. März 2015

Kindle Unlimited - Ausgeliehen wird, was gekauft wird

Seit Herbst 2014 bietet Amazon mit "Kindle Unlimited" eine Flatrate für eBooks an.
Wer sich über KDP bei Select anmeldet, kommt automatisch in das Ausleihsortiment. Mir wäre ja noch eine Option ganz recht, mit der man das ausschließen kann. Aber wenn schon exklusiv bei Amazon, dann eben richtig.
Wer über einen Distributor geht, kann sich auf eine Liste setzen lassen. Amazon entscheidet dann, ob sie diesen oder jenen Titel aufnehmen. Eine Garantie gibt es nicht. Onleihe.net verfährt aber genauso.


Gerade durch das absurde Auszahlungsverfahren einer Pauschale unabhängig von Verkaufspreis und Umfang lohnt sich KU gerade für eBook, die man für unter 2,99 anbietet. Da profitiert man von der Pauschale deutlich.
Zum Vergleich: für einen Titel zu 99 Cent erhält an mit einem Verkauf 29 Cent ausgezahlt, mit einer Ausleihe aktuell ca. 1,22 Euro, also mehr als das Vierfache.

Um Sinn und Unsinn dieser Verrechnung soll es nicht gehen. Es geht darum, ob ein eBook überhaupt ausgeliehen wird.

Ich habe nun sowohl mit meinen eigenen Romanen wie mit denen aus meinem Verlagssortiment in den letzten Wochen mehrere Titel bei KU angemeldet, um - für mich - aussagekräftige Zahlen zu haben.

Einfach gesagt: ausgeliehen wird, was auch gekauft wird.

Ist ein Titel uninteressant - aus welchen Gründen auch immer -, dann wird er weder gekauft noch ausgeliehen.
Findet ein Titel seine Käufer, findet er auch seine Ausleiher.

Was macht aber nun die Attraktivität bzw. das Interesse beim potenziellen Käufer aus?
Das ist die Gretchenfrage, die sich Verleger und Autoren Tag für Tag bei jedem Titel aufs Neue stellen müssen. Unabhängig davon, ob wir über gedruckte oder digitale Werke, über Verkäufe oder Ausleihen sprechen.
Michael Meisheit schreibt in seinem Blog, dass sich für ihn erst durch KU die dritte Staffel von "Im falschen Film" gerechnet hat. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, gerade bei 99-Cent-Titeln. Auch meine "16 Shades of Greytones"-Verballhornung rechnet sich erst durch die Ausleihen.
Aber ich verzeichne für diesen Titel trotzdem auch mehr Verkäufe als für fast jeden anderen im Sortiment. Und Michaels "Im falschen Film" hat ja grundsätzlich schon durch die ersten zwei Staffeln seine Käufer gefunden. Also bewiesen, dass sie attraktiv sind und Interesse wecken können.

Das Verhältnis entspricht meiner bisherigen Erfahrung nach dem, dass auf einen Verkauf auch etwa eine Ausleihe kommt. Grob gesagt. Ich habe bisher keinen Titel gehabt, der von diesem 50-50-Verhältnis groß abweichen würde.
Ich hatte keinen einzigen z.B. mit 10 % Verkäufen und 90 % Ausleihen oder umgekehrt.

Was schließe ich für mich aus diesen Zahlen:
Bevor man einen Titel für Kindle Unlimited zur Verfügung stellt, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie attraktiv er ist. Wie viel Potenzial er wirklich hat.
Ein Roman, der seit Monaten mit seinen Verkäufen unter "ferner liefen" gelistet ist - also alles jenseits von Platz 50.000 -, wird mit KU wohl kaum neue Interessenten finden. Warum sollte er? Wenn er vorher schon niemanden interessiert hat, warum sollte er plötzlich interessant werden, nur weil man ihn sich in einer Flatrate ausleihen kann?

Ich nutze Prime Instant Video - und auf meiner Wunschliste stehen nur Titel, die ich mir grundsätzlich auch kaufen würde. Ich höre bei Spotify nur in die Bands oder Genres rein, die grundsätzlich ohnehin schon auf meiner Liste stehen.
Ich werde mir weder einen 1950er Jahre-Heimatfilm anschauen noch einen Helene Fischer-Schlager anhören, nur weil ich es kostenlos könnte. Warum soll ich bei Büchern also anders verfahren?

Zeit ist Geld. Das trifft nirgendwo mehr zu als bei meiner Zeit, die ich ausgebe, um mich unterhalten zu lassen. Spricht mich etwas nicht an, investiere ich keine Zeit.

Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, durch KU "entdeckt" zu werden.
Es ist also allemal einen Versuch wert. Und gerade wenn sich ein eBook nicht verkauft: was hat man schon zu verlieren, wenn man es in die Ausleihe bringt?

Man sollte sich nur nicht der Illusion hingeben, durch KU aus einer toten Ente im Teich einen fliegenden Schwan machen zu können ...

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Nachtrag:
Neben all den Titeln, die man vielleicht auch so gekauft hätte, gibt es natürlich auch noch all jene Titel, die man sich wohl einen Lebtag nicht gekauft hätte.
Seien es welche mit "Schmuddelkram" - oder solche, die man sich nicht gekauft hätte, weil sie zu günstig sind.
Das mag nach einer verqueren Logik klingen - aber ein eBook, das bei einem Preis von 99 Cent ja nix sein kann, und daher nichts ist, was man sich kaufen würde, ist vielleicht wiederum eines, das man sich aber durchaus im Rahmen einer Flatrate ausleihen würde.

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