Montag, 15. Juni 2015

15 Jahre mit eBooks

Heute, am 15. Juni 2015, ist es Zeit für ein Jubiläum.
Ich feiere 15 Jahre, in denen ich mich eBooks widme. Im Juni/Juli 2000 habe ich testweise mein erstes eBook erstellt - von diesem ersten Versuch bis heute war es ein langer und kurvenreicher Weg.

Angefangen hatte alles 1999 mit dem Launch des Rocket eBooks, des ersten dedizierten Lesegeräts für elektronische Texte.
Natürlich konnte man auch schon auf seinem PDA eBooks lesen (dunkelgrüne Schrift vor hellgrünem Hintergrund ...) - aber ein Gerät, das ausschließlich zum Lesen gedacht war, das war neu.

Als Autor fragt man sich schnell, warum man auf solch einen Gerät Texte nur lesen, sondern nicht auch veröffentlichen sollte.
Leider war das Gerät mit 699 DM bei der Einführung preislich jenseits meiner Schmerzgrenze, um selbst ausprobieren zu können, was man damit alles machen kann - und das wird auch vielen anderen Interessierten so gegangen sein.

Das heißt, ich bin von einem sehr überschaubaren Markt ausgegangen. Den war ich durch das SF-Fandom mit meinen Fanzines aus den 1980ern zwar gewohnt, aber wenn man schon das Internet zur Verfügung hat, will man auch so viel Reichweite wie möglich erzielen.

Also habe ich mich nach Alternativen umgesehen.
Das Jahr 2000 war noch die Zeit von 3,5-Zoll-Disketten, und CD-Brenner kamen langsam in Mode. Wilfried A. Hary hatte zudem seit 1986 seine Science-Ficton-Romane als eBooks über Disketten verkauft.
Worauf ich aber auch erst ca. 1999/2000 zum ersten Mal gestoßen bin ... Das schien also ein gangbarer Weg zu sein.

Der E-ditor eBook Compiler (den es in der Demo-Version heute tatsächlich noch gibt) ermöglichte es, HTML-Dateien und Grafiken in eine selbststartende EXE-Datei zu kompilieren.
Diese wurde eingebunden in ein Installationsprogramm, und ich hatte mein erstes eBook, mit eigenem Eintrag in das Startmenü samt Icon, genau wie ein Programm oder ein Computerspiel.

Ich hatte für diesen Test eine SF-Kurzgeschichte ausgewählt, die ich erst zum Jahreswechsel als letztes Fanzine geschrieben und veröffentlicht hatte - "Brautjagd". Auflage: unglaubliche 10 Exemplare, alle mit Farbcover aus dem heimischen Drucker (der Hauptgrund für diese Mini-Auflage ...).

Das Cover wurde als fester Hintergrund hinter den Text gelegt, und durch diesen Testlauf bin ich überhaupt erst auf die HTML-Formatierung "justified" für Texte gestoßen - man lebt und lernt. ^^
Leider habe ich durch meinen ersten und einzigen Computer-Crash (seit ich PCs seit 1991 nutze) keine Kopie mehr dieser Datei, nicht einmal auf Diskette (man kann es nicht oft genug betonen: Backup, Leute! Backup!).

Technisch lief alles so wie gedacht - was mich aber von weiteren Versuchen abgehalten hat, war die Frage, die heute noch jeden Self-Publisher umtreibt: der Vertrieb.
Wie mache ich meine eBooks bekannt und wie erhalten sie meine Leser? Natürlich hätte ich wie zu guten alten Shareware-Zeiten die Disketten per Post verschicken können. Das erschien mir aber wegen der Möglichkeiten, die das Internet bot, zunehmend anachronistischer, je länger ich darüber nachdachte.
Zudem Disketten mit ihren 1,44 MB neben EXE und Installationsprogramm nicht mehr viel Platz für eingebundene Grafiken ließen. Und ich wollte für einen illustrierten Roman nicht mehrere Disketten verschicken müssen.

Es hat über zwei weitere Ansätze 2000 und 2001 bis zum 7. September 2002 gedauert, dass ich mit meiner Dschungelserie "Talon" mein erstes eBook-Projekt offiziell online gestellt habe.
Ich wurde immer mehr angespornt durch Autoren wie Achim Hiltrop, der seine Serie "Clou Gallagher" bereits seit den 1990ern digital veröffentlichte, wie auch der Perry Rhodan Online-Club die Fan-Serie "Dorgon", oder Andreas Podgurskis "Weltensegler"-Projekt.
Ja, SF-Autoren - bei Gelegenheit schreibe ich mal eine Chronik der Wegbereiter des eBooks in Deutschland ...

Mit LIT, PDB oder PRC gab es inzwischen auch komfortable eBook-Formate, die eine Veröffentlichung über Diskette hinfällig werden ließen.
Und wer sich über den Formatekonflikt zwischen ePub und Kindle heute ärgert: so sah das Downloadmenü bei "Talon" ca. 2005 für meine eBooks aus - friedlich vereint. Es geht also. Und, logisch, DRM-frei.


Zu diesem Zeitpunkt hatten sich inzwischen weitab des (zu Grabe getragenen) eBook-Hypes der Buchbranche rund um eBooks eine Szene etabliert (wer erinnert sich noch an Doc Gonzos Forum?), die einem Autor plötzlich eine Plattform bot, um sehr leicht interessierte Leser zu erreichen - auch wenn die meisten Nutzer eher die aktuellen Bestseller suchten.

Im März 2003 habe ich zusammen mit Peter Hopf den Schritt in Richtung kommerzielle eBooks mit dem Verlagssortiment von "vph eBooks" unternommen. Im Januar 2009 habe ich das Sortiment dann in meinen eigenen Verlag überführt, und spätestens seit diesem Jahr bin ich wieder vorrangig als Self-Publishing-Autor mit eBooks tätig.
So, wie ich 2000 und 2002 eigentlich begonnen hatte.

Die ganzen Entwicklungen, die sich seit 2000 vollzogen haben, sind noch eine eigene Betrachtung wert - aber das folgt im Sommer nächsten Jahres, 2016, zum 30-jährigen Jubiläum kommerzieller eBooks ...



Zum Jubiläum gibt es auch das eBook, das ich vor 15 Jahren als erstes entworfen habe, kostenlos zum Download - und dieses Mal mit dem (leicht bearbeiteten) alten Cover der gedruckten Fanzine-Ausgabe von 1999.

Nun natürlich für ePub und Kindle. :)


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